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„Damit gelingen richtige Kinoaufnahmen!“

Drei Jahre nach der ersten Fortsetzung des spanischen Found-Footage-Infizierten-Zombiehorrors „[●REC]“ war Co-Autor und -Regisseur Jaume Balagueró raus, sein Kompagnon Paco Plaza inszenierte den dritten Teil der Reihe allein. Bei diesem handelt es sich um ein Prequel, das parallel zum ersten Teil spielt.

„Ich hab' grad meinen Onkel Pepe beim Kotzen gefilmt. So geil, ey!

Die Jungvermählten Clara (Leticia Dolera, „Al salir de clase“) und Koldo (Diego Martín, „Aquí no hay quien viva“) haben zur Hochzeitsfeier geladen; Familie und Freunde sind erschienen und dokumentieren das freudige Ereignis mit ihren Handy- und Amateurkameras, ebenso der eigens dafür verpflichtete Profi Rafa (Ismael Martínez, „El día de la bestia“). Die Stimmung kippt, als Onkel Pepe (Emilio Mencheta, „Crematorio – Im Fegefeuer der Korruption“) zu einem rasenden Zombie mutiert, nachdem er von einem Hund gebissen wurde. Er überträgt den Erreger und verursacht eine Epidemie, in der das Hochzeitspaar verzweifelt, aber auch willens sich zu wehren, zu überleben versucht…

„Filmst du noch?!“

Der Auftakt gerät originell, zeigt er doch eine Diaschau von der Hochzeits-DVD – inklusive deren Menü. Die darauffolgenden Bilder entstammen den verschiedenen Videoquellen der Anwesenden und enthalten Gespräche über Kameras sowie witzige Kommentare. Der ausführliche Prolog endet mit der Zombie-Eskalation, in deren Zuge dem zuletzt Filmenden die Kamera aus der Hand geschlagen wird. Sein Found-Footage-Konzept wirft der Film nun über Bord und mischt herkömmliche, „unbeteiligte“ Filmkamerabilder unter anderem mit jenen einer Nachtsichtkamera in einem dunklen Schacht. Zunächst hat es den Anschein, es seien nur noch fünf Figuren übrig (eine davon der GEMA-Kontrolleur), die sich verschanzen, doch weitere befinden sich unversehrt in der Kirche. Baut und Bräutigam wurden getrennt, kommunizieren aber über eine Lautsprecheranlage miteinander. Der Pfaffe hält die Ereignisse für die biblische Genesis und ist mit der zu allem Überfluss auch noch schwangeren Braut allein. Mit Bibelzitaten gelingt es dem Padre, die Zombies in Schach zu halten. Spongejohn Spongebob ist auch noch unterwegs, treibt als Comic Relief sein Unwesen.

„Heute ist mein Tag!“

Nach dem starken Found-Footage-Beginn begibt sich „[●REC]³ - Genesis“ also in weitestgehend herkömmliche Horrorfilmgefilde und lässt dabei Federn. Die Figuren wirken wenig glaubwürdig, vielmehr parodistisch überzeichnet. Und nachdem jemand per Friendly Fire einen Morgenstern in den Kopp bekommen und die Braut ihr Kleid mit einer Kettensäge gekürzt hat (eine durchaus memorable Szene), gerät der Film zum sehr comichaften Fun-Splatter-Beitrag inklusive über sich hinauswachsender Heldin. Dennoch gelingen Regisseur Plaza einige genrekonforme, nichtsdestotrotz gutgemachte Spannungsszenen, zudem sind die Spezialeffekte meist ordentlich anzusehen. Die laute zeitgenössische Musik ist hingegen Geschmackssache. Ein kitschiges Ende bleibt letztlich nur angetäuscht, stattdessen entlässt romantischer Fatalismus aus dem Film.

„[●REC]³ - Genesis“ ist unterhaltsam, keine Frage, so richtig warmgeworden bin ich mit ihm, vor allem mit den harschen stilistischen Brüchen gegenüber den vorausgegangenen beiden Teilen, aber nicht. Der hinzukommende mehrfache innerfilmische Duktuswechsel mag für Plaza eine Fingerübung und Demonstration seiner Vielseitigkeit gewesen sein – einem kohärenten Ganzen indes ist er abträglich.

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